Die Kernaussage vorab
Ein Vertragsende mit 60 senkt den Beitrag spürbar, lässt aber die Jahre bis zur Regelaltersgrenze ungeschützt. Ob das vertretbar ist, hängt von Beruf, Rücklagen und anderen Einkünften ab. Prüfen Sie im Vertrag, ob mit 60 der Schutz endet oder nur die Rentenzahlung.
Möchten Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung bis 60 Jahre absichern, sparen Sie beim Beitrag, nehmen aber eine Lücke bis zur Rente in Kauf. Diese Abwägung treffen viele Menschen, weil die Prämie für ein Endalter von 67 schwer zu stemmen scheint, vor allem in jungen Jahren mit knappem Budget. Der folgende Überblick sortiert, was ein früheres Vertragsende tatsächlich bedeutet und welche Auswege es gibt.

Was ein Vertragsende mit 60 bedeutet
Zunächst lohnt ein Blick auf zwei Begriffe, die in Angeboten gern verschwimmen. Das Vertragsende bestimmt, bis zu welchem Alter Sie versichert sind. Das Leistungsende benennt, bis wann eine anerkannte Berufsunfähigkeitsrente fließt. Ein Maklerportal weist darauf hin, dass manche Gesellschaften ein Vertragsende von 60 mit einer Leistungsdauer bis 67 kombinieren. Das wäre günstiger als ein voller Schutz bis 67 und trotzdem besser als ein hartes Ende der Zahlung mit 60.
Erkennt die Gesellschaft die Berufsunfähigkeit vor dem Vertragsende an, zahlt sie nach den vereinbarten Bedingungen. Tritt sie erst danach ein, bleibt der Anspruch aus. Für jüngere Jahrgänge liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren, sodass zwischen dem 60. und dem 67. Geburtstag sieben Jahre ohne Absicherung liegen. In dieser Zeit steigen Erkrankungsrisiken, die den Beruf beenden können. Lesen Sie daher im Versicherungsschein nach, welches Alter dort tatsächlich als Ende genannt wird.
Beitrag gespart, Lücke eingekauft
Je früher das Vertragsende, desto niedriger der Beitrag. Marktübersichten von Maklern und ältere Tests nennen Ersparnisse im deutlich zweistelligen Prozentbereich, wenn das Endalter von 67 auf 60 oder 63 sinkt. Vergleichen lassen sich diese Zahlen kaum, denn sie stammen aus verschiedenen Jahren, Tarifen und Berufsgruppen. Aktuelle Preise für Ihre Situation liefert nur ein eigener Vergleich mit Ihrem Beruf und Ihrem Alter. Fordern Sie dafür mehrere Angebote mit unterschiedlichem Endalter an.
Zur Lücke gehört mehr als die ausbleibende Rente. Wird jemand berufsunfähig, zahlt er in der Regel auch nicht mehr in Altersvorsorge ein, und die Rentenbeiträge fehlen später. Eine Berufsunfähigkeitsrente soll dieses Loch füllen. Nach dem Vertragsende entfällt sie, und die Rücklagen müssen reichen. Interessenlagen spielen dabei eine Rolle: Ein Maklerportal hält ein Ende mit 60 für riskant, eine ältere Untersuchung der Stiftung Warentest hielt 60 immerhin für die untere Grenze. Beide Bewertungen sind Meinungen, keine Gesetze, und sie stammen von Stellen, die ihr eigenes Interesse haben können oder nicht mehr ganz aktuell sind.
Verlängerung und andere Auswege
Manche Tarife enthalten eine Verlängerungsoption. Sie passt die Laufzeit an, wenn die Regelaltersgrenze steigt, und verzichtet dabei auf eine neue Gesundheitsprüfung. Nach den Angaben eines Maklers gilt sie nur im Umfang der Verschiebung, muss innerhalb einer Frist ausgeübt werden und entfällt bei vielen Gesellschaften etwa ab dem fünfzigsten Lebensjahr. Soll der Vertrag später auf 67 verlängert werden, verlangt der Versicherer häufig einen Neuabschluss mit Gesundheitsfragen und höherem Beitrag. Dabei kann sich auch die Einstufung Ihres Berufs verschlechtern.
Als Alternative kommen zwei Verträge mit unterschiedlicher Laufzeit in Betracht. Eine ältere Untersuchung empfiehlt das als Sparidee, ein Makler rät dagegen ab, solange der Grundbedarf nicht bis 67 gesichert ist. Auch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kommt in Betracht. Ob sie fließt und wie hoch sie ausfällt, sagt Ihre Renteninformation und im Zweifel die Deutsche Rentenversicherung. Fachleute weisen darauf hin, dass sie den bisherigen Lebensstandard selten allein trägt. Zahlen dazu stehen in den gelesenen Quellen nicht.
Entscheidungshilfe für Ihre Lage
Am besten fragen Sie sich, wie gut die Zeit nach 60 anderweitig abgesichert ist. Mit abbezahltem Haus, soliden Rücklagen und einer zweiten Einkommensquelle lässt sich das Risiko eines früheren Endes leichter tragen.
Fällt der Beitrag mit Endalter 67 zu hoch aus, probieren Sie zuerst andere Stellschrauben: eine niedrigere Monatsrente, eine Staffelung der Rentenhöhe oder die Streichung teurer Zusatzbausteine. Ein Endalter von 63 oder 65 lässt eine kleinere Lücke als 60 und kostet dennoch weniger als der volle Schutz. Unabhängige Beratung, etwa durch eine Verbraucherzentrale oder einen Honorarberater, hilft beim Rechnen. Dieser Text ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
Der gesparte Beitrag sollte tatsächlich arbeiten. Fließt die Differenz zum vollen Schutz jeden Monat in ein Depot oder eine Rentenversicherung, entsteht ein Polster für die Jahre nach 60. Das hilft jedoch nur langfristig: Erkrankt jemand mit 45, ist es noch nicht gefüllt. Achten Sie außerdem auf die Bedingungen selbst. Verzichtet der Versicherer auf die abstrakte Verweisung, darf er Sie im Leistungsfall nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch noch ausüben könnten. Solche Klauseln wiegen meist schwerer als ein paar Euro Monatsbeitrag, und ein Vergleich der Bedingungen lohnt sich aus diesem Grund früh, noch vor der Frage nach dem Endalter.