Mit dem letzten Arbeitstag verschwindet der Wecker und mit ihm ein Stück Absicherung. Viele fragen sich deshalb, ob eine Unfallversicherung für Rentner noch Sinn ergibt oder ob sie nur Geld kostet. Die ehrliche Antwort hängt von Vermögen, Familie und der vorhandenen Absicherung ab. Für manche Haushalte ist die Police eine sinnvolle Ergänzung, für andere wird sie ab einem gewissen Punkt überflüssig. Dieser Text zeigt, woran Sie das erkennen, ohne Ihnen eine Entscheidung abzunehmen.
Warum der gesetzliche Schutz im Ruhestand endet
Während des Berufslebens sichert die gesetzliche Unfallversicherung Arbeits- und Wegeunfälle ab, bezahlt vom Arbeitgeber über die Berufsgenossenschaft. Mit dem Eintritt in den Ruhestand fällt dieser Schutz weg. Ein Sturz im Garten, ein Treppenunfall im eigenen Haus oder ein Fahrradunglück auf dem Weg zum Markt gehören zur Freizeit, und dafür ist die gesetzliche Variante nie zuständig gewesen. Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass sie weder im Haushalt noch in der Freizeit, im Straßenverkehr oder im Urlaub greift.
Für die Folgekosten springen Kranken- und Pflegeversicherung zwar ein, aber nur in Grenzen. Ein Treppenlift, der Umbau des Badezimmers oder eine Haushaltshilfe nach einem Bruch werden von ihnen nur eingeschränkt bezahlt, wie der Versicherer HUK COBURG auf seiner Seite schreibt. Genau an dieser Stelle setzt die private Police an: Sie zahlt Geld aus, wenn ein Unfall dauerhafte Schäden hinterlässt, und Sie entscheiden selbst, wofür Sie es verwenden.
Wichtig ist der Blick auf das Kleingedruckte. Versichert ist der Unfall, nicht die Krankheit. Ein Schlaganfall oder Herzinfarkt gilt für sich genommen nicht als Unfallfolge. Wie der Sturz behandelt wird, der aus einem solchen Anfall entsteht, unterscheidet sich von Tarif zu Tarif und sollte vor Vertragsabschluss schriftlich erfragt werden.
Was eine Police leistet und was sie kostet
Im Mittelpunkt steht eine einmalige Kapitalzahlung bei dauerhafter Invalidität. Verbraucherschützer nennen als Voraussetzung eine Beeinträchtigung, die voraussichtlich länger als drei Jahre besteht. Die Höhe errechnet sich als Prozentsatz der vereinbarten Versicherungssumme, und den Prozentsatz bestimmt die Gliedertaxe. Bei 300.000 Euro Versicherungssumme und dem Verlust eines Auges fließen demnach 150.000 Euro. Die folgende Tabelle zeigt Beispielwerte, die Verbraucherschützer nennen. Einzelne Versicherer weichen davon ab, manche verbessern die Werte durch Zusatzbausteine.
| Körperteil oder Sinn | Invaliditätsgrad |
|---|---|
| Arm im Schultergelenk | 70 Prozent |
| Bein bis Mitte Oberschenkel | 60 Prozent |
| Hand im Handgelenk | 55 Prozent |
| Auge | 50 Prozent |
| Gehör auf einem Ohr | 30 Prozent |
| Geruchssinn | 10 Prozent |
Eine lebenslange Unfallrente setzt bei vielen Versicherern erst ab 50 Prozent Invalidität ein. Verbraucherschützer halten Rententarife für teuer und weniger empfehlenswert. Wichtiger ist eine ausreichende Kapitalsumme, die HUK COBURG in der Regel bei mindestens 100.000 Euro sieht. Vorerkrankungen können die Auszahlung mindern, weil viele Versicherer kürzen, wenn ein bestehendes Leiden zu mehr als einem Viertel am Schaden beteiligt ist.
Zwei Bausteine verdienen einen zweiten Blick. Eine Progression lässt die Auszahlung ab einem Invaliditätsgrad von 26 Prozent überproportional steigen, was bei schweren Schäden viel ausmacht, bei leichten dagegen nichts. Verbraucherschützer halten Progressionstarife meist für günstiger als eine höhere Grundsumme. Tarife mit Beitragsrückgewähr gelten dagegen häufig als überteuert. Lassen Sie sich nicht von einem hohen Werbeversprechen leiten, sondern vergleichen Sie, was bei einem Armbruch, einem Oberschenkelbruch oder einem Sturz mit Reha im Vertrag tatsächlich steht.
Beim Preis fehlt vielen Quellen eine belastbare Zahl. Ältere Marktauswertungen der Stiftung Warentest nennen Spannen, sind aber so alt, dass sie als Maßstab nicht taugen. Sicher ist nur: Beiträge können mit dem Alter steigen, weil Unfallrisiko und Leistungsfälle zunehmen. Einen aktuellen Preis ermitteln Sie über Angebote mehrerer Versicherer, wobei der Abschluss laut HUK COBURG bis zum 80. Lebensjahr möglich ist und der Vertrag sich jährlich verlängert.
Wann die Unfallversicherung überflüssig wird
Überflüssig ist die Police, wenn der Schaden aus eigener Kraft zu tragen wäre. Das trifft zu, wenn Sie über ein Vermögen verfügen, das einen Umbau der Wohnung oder bezahlte Hilfe über Jahre abdeckt. Auch eine hohe Rente senkt den Bedarf, was die Verbraucherzentrale NRW allgemein für ältere Versicherte anführt. Dasselbe gilt, wenn niemand finanziell von Ihnen abhängt, denn die Todesfallleistung der Police richtet sich an Hinterbliebene.
Prüfen Sie außerdem, was Sie schon besitzen. Policen aus dem Berufsleben laufen häufig weiter, manche Verträge von Vereinen oder Kreditkarten enthalten Unfallbausteine. Zwei Verträge für dasselbe Risiko zahlen Sie unnötig doppelt. Sinnvoll bleibt die Police dagegen, wenn Ihre Rücklagen knapp sind, Sie allein leben und nach einem Unfall schnell Hilfe im Haus bräuchten. Dann zählt rasche Hilfe mehr als eine hohe Summe, und manche Tarife liefern Hilfen im Haushalt vom Essensdienst bis zur Wohnungsreinigung gleich mit dazu.
Rechnen Sie zudem durch, wie viel Sie bis zum 85. Geburtstag an Beiträgen zahlen würden, und stellen Sie die Summe der Auszahlung gegenüber, die im schlimmsten Fall zu erwarten ist. Erst dieser Vergleich zeigt, ob sich das Risiko für Sie in Geld lohnt. Für die Entscheidung lohnt ein Gespräch mit einer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Versicherungsberater. Vor einer Kündigung bestehender Verträge sollten Sie Kündigungsfristen und den Stand Ihrer Absicherung prüfen.