Beim Thema Dispokredit Zinsen Abbuchung herrscht erstaunlich viel Verwirrung, dabei steckt dahinter eine überschaubare Rechnung. Sie sehen im Online Banking einen Sollzinssatz, später taucht auf dem Kontoauszug eine Belastung auf, und dazwischen liegt ein Zeitraum, den kaum jemand nachvollzieht. Wann genau die Bank die Zinsen auf Ihr Konto bucht, wie sie sich berechnen und was bei einer geduldeten Überziehung anders läuft, erfahren Sie hier. Einen allgemeinen Zinssatz nenne ich absichtlich nicht, denn jede Bank setzt eigene Konditionen und ändert sie laufend.
So berechnet die Bank die Dispozinsen
Zinsen fallen nur auf den Betrag an, den Sie tatsächlich nutzen, und nur für die Tage, an denen das Konto im Minus steht. Der vereinbarte Rahmen spielt für die Rechnung keine Rolle. Ein Dispo von 3.000 Euro kostet nichts, solange Sie ihn nicht anrühren. Gerechnet wird gewöhnlich tagesgenau, bei vielen Banken nach der Methode 30/360: Betrag mal Zinssatz mal Zinstage, geteilt durch 360.
Ein Zahlenbeispiel mit einem frei gewählten Sollzins von zehn Prozent macht das greifbar. Stehen Sie 1.000 Euro im Minus und bleibt das 30 Tage so, kostet das rund 8,33 Euro. Bei 2.000 Euro über 90 Tage sind es 50 Euro. Das Beispiel dient nur der Rechenlogik, Ihr tatsächlicher Satz steht im Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank und im Kreditvertrag.
Wichtig ist der Zinseszins, den viele übersehen. Die Bank belastet die fälligen Zinsen dem Konto, wodurch das Minus wächst und im nächsten Zeitraum selbst verzinst wird. In derselben Modellrechnung wächst die tatsächliche Verzinsung dadurch von 10,00 auf etwa 10,38 Prozent, wenn die Zinsen quartalsweise zum Saldo geschlagen werden. Aus 2.000 Euro Minus über ein Jahr werden so 207,63 statt 200 Euro Zinsen.
Wann die Zinsen abgebucht werden
Die Zinsen werden beim sogenannten Rechnungsabschluss belastet. Wie häufig dieser Abschluss stattfindet, bestimmt die Bank. Üblich sind monatliche oder quartalsweise Termine, aber eine allgemeine Regel gibt es nicht. Den Rhythmus Ihrer Bank finden Sie im Preis- und Leistungsverzeichnis oder in den Kontobedingungen, häufig auch auf dem Kontoauszug unter dem Hinweis auf den Rechnungsabschluss.
Praktisch heißt das: Zwischen dem Tag, an dem Sie das Konto überziehen, und dem Tag, an dem die Zinsen erkennbar werden, können Wochen vergehen. Die Belastung erscheint als eigene Buchung, und sie kann Ihr Konto zusätzlich ins Minus drücken, wenn der Rahmen ohnehin fast ausgeschöpft ist. Dann wird aus einem Dispo schnell eine geduldete Überziehung, und die ist teurer. Bei einem Konto, das ohnehin kaum Luft lässt, kann schon eine einzige Zinsbuchung den Rahmen sprengen, ohne dass Sie selbst etwas bezahlt hätten. Planen Sie rund um den Abschlusstermin deshalb einen Puffer ein, damit die Zinsbuchung nicht selbst zum Auslöser einer Rücklastschrift wird.
Dispo und geduldete Überziehung im Vergleich
Beide Formen sehen im Kontostand gleich aus, rechtlich sind sie verschieden. Beim Dispo haben Sie mit der Bank Rahmen und Zinssatz vereinbart, und die Bank führt Zahlungen innerhalb dieses Rahmens aus. Geduldet ist eine Überziehung dagegen, wenn kein Rahmen besteht oder Sie ihn überschreiten.
| Merkmal | Dispokredit | Geduldete Überziehung |
|---|---|---|
| Rahmen | vereinbart | keiner oder überschritten |
| Anspruch auf Ausführung | innerhalb des Rahmens | keiner, die Bank darf Zahlungen ablehnen |
| Zinshöhe | laut Vertrag | laut BaFin meist höher |
| Zinsbuchung | beim Rechnungsabschluss | beim Rechnungsabschluss |
Weil Sie auf die Duldung keinen Anspruch haben, kann die Bank eine Lastschrift oder Überweisung ablehnen, obwohl sie gestern noch durchging. Das kostet Gebühren und im schlimmsten Fall Mahnkosten beim Empfänger. Landen Sie regelmäßig im geduldeten Bereich, sprechen Sie mit der Bank über der Bank über einen höheren Rahmen oder einen günstigeren Ratenkredit.
Zinskosten senken und den Termin einplanen
Der wirksamste Hebel liegt in den Tagen. Weil nur die Zeit im Minus zählt, drücken früh eintreffende Zahlungen die Kosten. Legen Sie Abbuchungen, die Sie steuern können, auf den Tag nach dem Gehaltseingang, und tilgen Sie das Minus, sobald Geld ankommt, statt es für Anschaffungen zu nutzen. Ein Ratenkredit mit festem Zinssatz kostet häufig weniger als dauerhaft genutzter Dispo, doch vergleichen Sie den Jahreszins samt allen Kosten mit dem Sollzins Ihres Kontos, bevor Sie umschulden.
Rechnen Sie ruhig einmal selbst nach. Standen Sie 500 Euro im Minus und blieb das 60 Tage so, ergibt sich beim angenommenen Satz von zehn Prozent ein Betrag von 8,33 Euro. Weicht die Buchung Ihrer Bank deutlich ab, liegt das an einem anderen Satz, an Schwankungen des Saldos zwischen den Tagen oder an Gebühren, die zusätzlich anfallen. Genau dort lohnt sich die Nachfrage.
Ein Blick auf den Kontoauszug lohnt sich nach jedem Abschluss. Prüfen Sie, ob der berechnete Betrag zu Ihrem Rahmen, den Tagen im Minus und dem Satz aus dem Vertrag passt. Bei Abweichungen fragen Sie schriftlich bei der Bank nach einer Aufstellung. Bleiben Zweifel, helfen Verbraucherzentralen bei der Einordnung, und bei rechtlichen Streitfragen ein Fachanwalt für Bank und Kapitalmarktrecht. Reagiert die Bank nicht, können Sie sich an die Schlichtungsstelle des zuständigen Bankenverbands oder an die Finanzaufsicht BaFin wenden. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.